Vor dem Jahreswechsel hatte ich angenommen, dass 2026 auch wieder so ein Jahr wird, in dem alle interessanten Bands Vancouver auslassen – deshalb hatte ich gleich für Januar Tickets für The Offspring und Bad Religion gekauft. Jetzt nicht unbedingt meine Lieblingsbands, aber ich hatte beide noch nie gesehen und sie sollten in der Halle des lokalen Hockeyteams, der Vancouver Canucks, spielen. Da mich Hockey nicht so sehr interessiert und sie zudem sehr oft verlieren, habe ich keine Lust, mir ein Spiel anzusehen, aber das Halleninnere würde ich schon gerne mal sehen.

Zur Halle kommt man auch gut mit dem Skytrain, allerdings muss man die Straße überqueren, einen Fußgängerüberweg ober- und unterirdisch zu gestalten, soweit denkt man in Kanada nicht. Also rennen die Leute einfach über die Straße und sie muss allen Ernstes von der Polizei abgesichert werden. Das ist sicher billiger, als einen Fußgängerweg zu schaffen.

Dann gab es erst mal Theater mit den Tickets – ich bin extra auf die Webseite von The Offspring gegangen, aber man hat keine Wahl, man muss die Tickets über Ticketmaster kaufen und bekommt nur mobile Versionen. Ich hatte mich mental schon darauf eingestellt, dass es nicht funktioniert und so war es dann auch: App auf, App zu. Obwohl da immer ein Strich hin- und hergewabert ist, dachte das Lesegerät, es sei ein Screenshot. Seufz. Technik um der Technik willen ist wirklich nicht gut, da lobe ich mir die PDFs, die ich bei kleinen Konzerten von Tickets kreieren und ausdrucken kann.

Irgendwann hatten wir es geschafft und gelangten ins Innere, wo uns großes Chaos erwartete: Menschenmassen, die sich durch die Flure wälzten und man musste aufpassen, nicht angerempelt zu werden (ja, ich weiß: Hockey halt!). An den Fress- und Saufständen, die für Nordamerika typischen langen Schlangen. Es ist immer die gleiche Nicht-Organisation. Aber gut: Wir behielten sowieso unsere Masken auf und ich gehe auch nicht zu Konzerten, um zu essen und zu trinken.

Die Plätze an sich waren gut: architektonisch sind die Sporthallen in Nordamerika im Inneren ein Gewinn, das hatte ich schon so in Memphis so erlebt. Sie sind sehr steil gebaut, daher hat man einen ausgezeichneten Blick auf die Bühne. Bad Religion fand ich dann auch ziemlich gut. Leider waren viele Zuschauer*innen noch beim Essen, was ich ein bisschen schade für die Band fand.

Das Innere einer Hockeyhalle, in der die Zuschauer*innen langsam auf die Plätze strömen. Man sieht einige Fahnen, die von der Decke hängen, die Hockeytrikots mti den Nummern und Namen der Spieler anzeigen.

Allerdings erwähnten sie auch mit keinem Wort den an diesem 24. Januar durch ICE ermordeten Alex Pretti. Und sie sind ja schon eine (amerikanische) politische Band, das fand ich sehr schwach. Man hätte ja zumindest eine Ansage à la „This song is for Alex Pretti and Renée Good“ oder so machen können. Tom Morello (Rage against the Machine) und Bruce Springsteen üben schon die ganze Zeit Kritik und Musiker von Rise Against nahmen vor Kurzem auch daran teil.

Während der Umbaupause erschien dann ein Zeppelin, was ich erst ganz lustig fand, aber dann wurden sehr lange, peinliche Publikumsspielchen daraus. Also von Kiss-Cam bis zu Look-a-like-Contest, etc. Die Kanadier*innen machten jedenfalls professionell mit und warfen sich sofort in Pose – ich bin bei sowas ja ganz schlecht und flüchtete in die Schlange vor den Toiletten.

The Offspring fingen ganz gut an, bis plötzlich ein Schalter umgelegt wurde und sie begannen, peinliche Witze zu reißen und gar nicht mehr aufhörten. Und auch „Fuck you“ zu schreien und die Mittelfinger zu zeigen, was dann auch wieder gefilmt wurde – kleine Jungs im Publikum machten voller Begeisterung mit. Ich kann ja dieses Trauma mit dem Fluchen und das Theater darum nicht nachvollziehen …

Der Sänger spielte dann eine eigene Ballade am Klavier, was okay ist, aber danach stimmte er „Hey Jude“ von den Beatles an. Uff. Vielleicht haben sie nicht genug eigene Lieder, ich weiß es nicht. Jedenfalls fand ich das alles ein bisschen schade, aber anscheinend steht das Publikum eher auf so eine Clownshow, meins ist es nicht.

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