In Kanada haben Zahnärzt*innen meist keine eigenen Behandlungsräume für Patient*innen, sondern reihen Behandlungsstühle in einem einzigen Zimmer aneinander. Diese werden dann notdürftig durch Regale abgetrennt. Wer braucht schon Privatsphäre? Von Aerosolen möchte ich gar nicht erst sprechen.

Mein erster Zahnarztbesuch war dann auch prompt in einer solchen Abstellkammer, die besonders chaotisch aussah. Ich hatte Angst, eines der Kabel herunterzureißen, als ich mich in den Stuhl setzte. Mir fiel auch auf, dass diese kleinen Spiegel, die bereit lagen, um in den Mund zu schauen, nicht sehr sauber aussahen, was mein Vertrauen in diesen Zahnarzt nun wirklich nicht festigte. Er sah sich kurz meine Zähne an, verkündete dann, an einem Zahn eine Krone machen zu wollen, an dem ich gar kein Problem hatte und nicht die eine, offensichtlich kaputte, Füllung anzugehen.

Wenn man als neue*r Patient*in in Deutschland in eine Praxis kommt, wird grundsätzlich eine komplette Bestandsaufnahme gemacht: Bei jedem einzelnen Zahn wird aufgeschrieben, ob er intakt ist, fehlt, eine Krone oder eine Füllung hat. Das hält man hier wohl nicht für nötig.

So ließ ich bei diesem Arzt lediglich eine Knirscherschiene machen, die aber sehr dick und damit eigentlich unbrauchbar ist. Man kann sich hier auch selbst eine Schiene erstellen, indem man mit einer Art Knetmasse Abdrücke macht und diese an eine Firma in den USA schickt. Ich hatte diese Prozedur mit Kinder-Knetmasse geübt und die Schiene, die ich mir letztes Jahr selbst anfertigte, ist auch nicht viel schlechter als von diesem Zahnarzt, der natürlich viel mehr Geld dafür verlangt. Ich hätte aber lieber eine normale dünne Schiene, wie sie in Deutschland gemacht werden, aber das ist anscheinend zu viel verlangt.

Verschiedene bunte Plastikeimerchen mit Kinder-Knetmasse stehen aufgestapelt auf einer Couch. Die kleinen Eimer haben grüne, rote und orange Deckel. Sie tragen die Aufschrift "Play-Doh".

Zahnarztbehandlungen sind in Kanada natürlich nicht komplett von der normalen Krankenversicherung abgedeckt. Es gibt ein Programm für arme Leute, an dem gerade herumgekürzt wird, aber ansonsten hat man Glück, wenn man, wie ich, durch den Arbeitgeber des Partners zusatzversichert ist. Ist das ein gutes System, in dem die Zahnbehandlung von Arbeitgebern abhängig ist? (Rhetorische Frage)

Zwei Zahnreinigungen pro Jahr und die Knirscherschiene waren bei mir von dieser Versicherung abgedeckt, bei einer Krone muss ich auch noch kräftig hinzuzahlen, aber wie viel das wirklich ist, werde ich wohl nicht so schnell erfahren.

Vor über vier Wochen hatte ich einen Termin bei einer zweiten Zahnärztin, um meine bröckelnde Füllung zu reparieren und ich habe seitdem nicht wieder von ihr gehört. Es soll eine Krone werden und ich wurde vorgewarnt, dass es Wochen dauert, bis die Antwort von der Versicherung kommt und ich kontaktiert werde. Ich war etwas ungläubig, aber offensichtlich ist das der Regelfall. Dann bröckelt meine Füllung eben während des Urlaubs weiter.

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